Innovation in Deutschland durch Fachkräfte mit Migrationshintergrund
Für die Auswertung hat das IW die Vornamen von rund 45.000 in Deutschland lebenden Erfinderinnen und Erfindern untersucht und sie 24 Sprachräumen zugeordnet. So ließ sich die Herkunftsregion mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen. Die Ergebnisse zeigen: Der Anteil internationaler Erfinderinnen und Erfinder wächst kontinuierlich – und prägt das Innovationsgeschehen in Deutschland zunehmend.
Menschen aus diesen Ländern reichen die meisten Patente ein
Den größten Anteil an Patentanmeldungen haben Fachkräfte aus Ost- und Südosteuropa, die zusammen rund sechs Prozent aller Anmeldungen ausmachen. Dahinter folgen Südeuropa, Lateinamerika sowie der arabische Raum inklusive der Türkei. Dessen Anteil hat sich seit der Jahrtausendwende vervierfacht und liegt inzwischen bei rund zwei Prozent.
Besonders stark ist der Anstieg bei Menschen mit indischer Herkunft. Zwischen 2000 und 2022 hat sich die Zahl ihrer Patentanmeldungen von 40 auf 495 verzwölffacht – ein Wachstum, das kaum ein anderes Herkunftsland verzeichnet. Damit gehört Indien heute zu den wichtigsten Herkunftsländern hochqualifizierter Fachkräfte in Deutschland.
Laut den IW-Autoren ist diese Entwicklung kein Zufall. Sie führen sie auf gezielte Maßnahmen zur Fachkräfteanwerbung zurück – etwa auf das 2020 in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz sowie auf digitale Informationsangebote, die ausländische Fachkräfte über Arbeits- und Einwanderungsmöglichkeiten informieren.
Frauen mit Migrationshintergrund treiben Innovation voran
Ein weiterer zentraler Befund der IW-Studie betrifft die Rolle von Frauen in der Forschung und Entwicklung. Unter den Zugewanderten liegt der Anteil weiblicher Erfinderinnen bei knapp neun Prozent – fast doppelt so hoch wie unter den Deutschen, wo er bei etwa fünf Prozent liegt.
Das IW führt erklärt diesen Unterschied damit, dass Frauen in vielen Herkunftsländern häufiger MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) studieren – Bereiche, aus denen überdurchschnittlich viele Patente hervorgehen. Besonders in osteuropäischen Ländern wie Tschechien oder Rumänien liegt der Anteil von Erfinderinnen mit bis zu 13 Prozent deutlich über dem deutschen Durchschnitt.
Laut den Forscherinnen und Forschern greifen Frauen in Ländern mit geringerer Gleichberechtigung oder wirtschaftlicher Unsicherheit häufiger zu technischen Berufen, um finanzielle Unabhängigkeit und Stabilität zu erreichen. Im Gegensatz dazu entscheiden sich Frauen in Ländern mit hohem Wohlstand und Gleichberechtigung häufiger gegen naturwissenschaftlich-technische Studiengänge.
Wenn Sie eine Niederlassungserlaubnis für Fachkräfte erhalten haben oder erhalten wollen, dann sind Sie in der Regel bereits über einen längeren Zeitraum in Deutschland als Fachkraft tätig. Bei dieser Regel gibt es wenige Ausnahmefälle....
Deutschland bleibt auf internationale Fachkräfte angewiesen
„Deutschland ist wie viele Industrieländer auf die Zuwanderung gut ausgebildeter Menschen angewiesen“, erklärt IW-Forscherin Alexandra Köbler. „Um im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe mithalten zu können, sind schnelle und unbürokratische Verfahren zur Einreise und Anerkennung von Qualifikationen notwendig.“
Die Studie betont, dass der Erfolg Deutschlands im Innovationsbereich auch davon abhängt, wie attraktiv das Land für internationale Talente bleibt. Neben gut funktionierenden Verfahren brauche es eine „proaktive Willkommenskultur“, die Fachkräfte nicht nur anzieht, sondern sie auch langfristig hält.
Ein weltoffenes gesellschaftliches Klima, kulturelle Vielfalt und faire Arbeitsbedingungen seien dafür ebenso wichtig wie die Digitalisierung und Vereinfachung von Verwaltungsprozessen.
Studie: Fachkräfteeinwanderungsgesetz als wichtiger Schritt
Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2020 habe bereits dazu beigetragen, dass Deutschland für qualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer attraktiver geworden ist. Dennoch sehen die IW-Forscherinnen und -Forscher Nachholbedarf: Viele Verfahren seien zu bürokratisch und dauern zu lange.
„Wir müssen die Prozesse digitalisieren, standardisieren und die Kapazitäten bei den Prüfstellen deutlich ausbauen“, heißt es in der Studie. Nur so könne Deutschland im internationalen Wettbewerb um Talente mithalten.
Darüber hinaus fordern die Autorinnen und Autoren, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung von Migration sich weiterentwickeln müsse: Zuwanderung sei kein Risiko, sondern ein Motor für Innovation, Wirtschaftskraft und kulturelle Vielfalt.
Der § 20 AufenthG gehört innerhalb des Aufenthaltsgesetzes zum Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet und dient für die Arbeitsplatzsuche im Anschluss an Aufenthalte im Bundesgebiet...
Fazit
Die IW-Studie zeigt deutlich: Zuwanderung trägt entscheidend zur Innovationskraft Deutschlands bei. Ohne die Beiträge internationaler Fachkräfte würde ein großer Teil des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts hierzulande fehlen.
In Zahlen ausgedrückt: Rund 14 Prozent aller Patente in Deutschland gehen auf Menschen mit ausländischen Wurzeln zurück – Tendenz steigend.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland auch künftig auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen bleibt, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Entscheidend dafür seien effiziente Einwanderungsverfahren, transparente Anerkennungsprozesse und ein offenes gesellschaftliches Klima, das internationale Talente willkommen heißt und ihnen langfristige Perspektiven bietet.
