Studie: Mehr als die Hälfte der Betriebe fordert B2
Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verlangen 57 Prozent der Unternehmen mindestens Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2. Zum Vergleich: Für die Einbürgerung und die Niederlassungserlaubnis reicht bereits das niedrigere Niveau B1 aus.
B2 bedeutet: Bewerberinnen und Bewerber müssen nicht nur Alltagsgespräche führen können. Sie sollen auch komplexere Themen verstehen können, sich spontan verständigen und ihre Meinung klar erklären können. Im Berufsalltag kann das auch heißen, an Fachdiskussionen teilzunehmen oder berufliche E-Mails sicher zu formulieren.
Für viele Zugewanderte ist das eine hohe Schwelle. Denn Deutsch zu lernen braucht Zeit und Übung. Gleichzeitig möchten oder müssen viele Menschen bereits arbeiten, bevor sie dieses Sprachniveau erreicht haben.
In diesen Branchen sind die Anforderungen besonders hoch
Wie hoch die Anforderungen an die Sprache sind, hängt stark von der Branche ab. Besonders häufig wird B2 in Berufen verlangt, in denen viel gesprochen, beraten oder dokumentiert wird.
So fordern im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistung 79 Prozent der Betriebe mindestens B2. In Erziehung und Unterricht sind es 76 Prozent. Im Gesundheits- und Sozialwesen liegt der Anteil bei 74 Prozent.
Niedriger sind die Anforderungen im Gastgewerbe sowie im Bereich Verkehr und Lagerei. Im Gastgewerbe verlangen nur 30 Prozent der Betriebe mindestens B2. Im Bereich Verkehr und Lagerei sind es 37 Prozent. Dennoch spielen auch dort Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei Arbeitsanweisungen oder im Kontakt mit Kund:innen.
Besonders hoch sind die Anforderungen bei der Kommunikation nach außen, also mit Kund:innen. Dort verlangen viele Betriebe sogar Sprachkenntnisse auf C1- oder C2-Niveau.
Bei der internen Kommunikation sind die Anforderungen etwas niedriger, weil Betriebe hier offenbar mehr Spielraum sehen – zum Beispiel durch Unterstützung im Team oder Übersetzungshilfen.
Kleine Betriebe haben oft höhere Ansprüche
Auch die Größe eines Unternehmens spielt eine Rolle. Die Studie zeigt, dass kleine und mittlere Unternehmen (mit bis zu 250 Mitarbeitern) seltener Bewerber:innen einstellen, wenn sie noch nicht ausreichende Deutschkenntnisse besitzen.
Bei Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten geben 54 Prozent an, dass sie grundsätzlich mindestens B2-Kenntnisse verlangen. Bei großen Betrieben mit 250 Beschäftigten oder mehr sind es hingegen nur 26 Prozent.
Ein möglicher Grund: In kleineren Betrieben müssen Mitarbeitende oft vielseitig einsetzbar sein. Große Unternehmen können dagegen eher Stellen anbieten, bei denen geringere Sprachkenntnisse ausreichen.
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Jedes zweite Unternehmen setzt strenge B2-Hürde
Besonders wichtig ist auch ein weiteres Ergebnis der Studie: 50 Prozent der Betriebe geben an, dass sie Bewerbungen von Personen mit Deutschkenntnissen unter B2 grundsätzlich nicht berücksichtigen. Das heißt: Für sie ist B2 eine feste Mindestanforderung.
Das zeigt, wie groß die Sprachhürde auf dem Arbeitsmarkt sein kann. Selbst wenn ein Bewerber fachlich geeignet ist, können fehlende Deutschkenntnisse dazu führen, dass sie nicht in die engere Wahl kommen.
Wo gibt es Ausnahmen?
Aber nicht alle Unternehmen schließen Bewerber:innen mit geringeren Deutschkenntnissen aus. Laut der Studie berücksichtigen 12 Prozent der Betriebe solche Bewerbungen, wenn die Arbeit keine hohen Sprachkenntnisse erfordern. Weitere 15 Prozent der Betriebe sind dazu bereit, wenn die Bewerbenden an Deutschkursen teilnehmen.
Das bedeutet: Für Bewerber:innen kann es hilfreich sein, im Bewerbungsprozess zu erwähnen, dass sie aktiv Deutsch lernen. Auch der Hinweis auf einen laufenden Sprachkurs kann hilfreich sein.
Fazit: Was bedeutet das für Migrant:innen?
Die Studie macht deutlich: Deutschkenntnisse sind bei der Jobsuche entscheidend. Über die Hälfte der Unternehmen verlangt Sprachkenntnisse auf B2-Niveau. Das gilt besonders für Berufe mit viel Kommunikation, Verantwortung oder Kundenkontakt.
Wer B2 noch nicht erreicht hat, ist aber nicht automatisch ohne Chance. Denn viele Betriebe sind bereit, Bewerber mit geringeren Deutschkenntnissen anzustellen, wenn sie aktiv Deutsch lernen.
Wichtig ist, passende Stellen zu suchen, bei denen das Sprachniveau zum Tätigkeitsprofil passt. Außerdem kann es helfen, aktiv an einem Sprachkurs teilzunehmen und dies in der Bewerbung klar anzugeben. Für viele Betriebe ist nicht nur wichtig, welches Niveau eine Person heute hat, sondern auch, ob sie bereit ist, ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern.