Hoher Anteil an Migrant:innen in Engpassberufen
Viele Branchen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind, sind inzwischen stark auf Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund angewiesen. Besonders deutlich zeigt sich das in handwerklichen, technischen und gastronomischen Berufen – dort ist der Anteil von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte laut Studie besonders hoch.
- Schweiß- und Verbindungstechnik: 60 %
- Lebensmittelherstellung / Köchinnen und Köche: je 54 %
- Gerüstbau: 48 %
- Bus- und Straßenbahnfahrer:innen: 47 %
- Fleischverarbeitung: 46 %
- Servicekräfte in der Gastronomie: 45 %
- Kunststoff- und Kautschukherstellung: 44 %
- Hotelservice: 40 %
- Berufskraftfahrer:innen im Güterverkehr: 39 %
- Metallbearbeitung: 37 %
- Altenpflege: 33 %
- Speditions- und Logistikkaufleute: 32 %
- Metallbau und Elektrotechnik: 30 %
§ 39 AufenthG Zustimmung zur Beschäftigung von Ausländern, ist ein entscheidender Paragraf für jeden, der als ausländischer Staatsangehöriger in Deutschland arbeiten möchte. Er bestimmt, unter welchen Bedingungen Sie eine Arbeitserlaubnis erhalten können und welche Rolle die Zustimmung der B...
Kaum Migrant:innen in Verwaltung, Polizei oder Rettungsdienst
Während in vielen handwerklichen, technischen und pflegerischen Berufen zahlreiche Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte tätig sind, sind sie in anderen Bereichen deutlich unterrepräsentiert. Besonders gering ist ihr Anteil im Rettungsdienst (8 Prozent), in der Justizverwaltung (9 Prozent) und in der Landwirtschaft (15 Prozent).
Auch außerhalb der Mangelberufe zeigt sich ein ähnliches Bild: Im Polizeivollzugsdienst liegt der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund bei nur 7 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung und der Sozial- und Steuerverwaltung bei etwa 9 bis 10 Prozent. Bei Lehrkräften machen Menschen mit Einwanderungsgeschichte 9 Prozent in der Primarstufe und 12 Prozent in der Sekundarstufe aus.
Nach Ansicht von Expert:innen besteht hier großer Nachholbedarf, insbesondere beim Zugang zu Bildung, Ausbildung und öffentlichen Stellen. Diese Berufe hätten, laut Arbeitsmarktforscherin Magdalena Polloczek, nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine repräsentative Bedeutung – insbesondere, wenn es darum geht, eine vielfältige Gesellschaft auch in staatlichen Institutionen sichtbar zu machen.
In diesen Branchen arbeiten besonders viele Migrant:innen
Gleichzeitig gibt es ganze Branchen, die in besonderem Maße auf Menschen mit Migrationsgeschichte angewiesen sind. Besonders stark vertreten sind sie in der Gastronomie, wo laut Studie mehr als die Hälfte aller Beschäftigten (54 Prozent) zugewandert ist.
Ebenso hoch ist der Anteil in der Gebäudebetreuung und -reinigung sowie im Garten- und Landschaftsbau (je 50 Prozent). Auch im Hotel- und Beherbergungswesen (43 Prozent), bei Wach- und Sicherheitsdiensten, in privaten Haushalten mit Hauspersonal sowie in der Lagerei und Verkehrsdienstleistung (je 42 Prozent) sind Migrant:innen überdurchschnittlich stark vertreten.
Selbst in weiteren Sektoren wie Post-, Kurier- und Expressdiensten liegt der Anteil mit 41 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft.
Zudem zeigen sich hohe Werte in zwei Bereichen, die jeweils mehr als eine Million Beschäftigte zählen: In Alten- und Pflegeheimen sowie in der Kraftwagenproduktion haben jeweils rund 32 Prozent der Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte.
Fazit
Die Zahlen der Studie machen deutlich: Menschen mit Migrationsgeschichte sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Arbeitsmarkts – insbesondere in Berufen, in denen Fachkräfte fehlen oder die für das tägliche Leben unverzichtbar sind. Ohne sie würde es in vielen Branchen, von der Pflege über den Transport bis hin zur Gastronomie, kaum funktionieren.
Gleichzeitig bleiben sie in anderen Bereichen – etwa im öffentlichen Dienst, im Bildungswesen oder bei der Polizei – stark unterrepräsentiert. Um Chancengleichheit zu fördern und die Vielfalt der Gesellschaft auch in diesen Berufen abzubilden, fordern Expert:innen bessere Zugänge zu Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung.