Auf unserer Webseite kommen verschiedene Cookies zum Einsatz: technische, zu Marketing -Zwecken und solche zu Analyse-Zwecken; Sie können unsere Webseite grundsätzlich auch ohne das Setzen von Cookies besuchen. Hiervon ausgenommen sind die technisch notwendigen Cookies. Sie können die aktuellen Einstellungen jederzeit durch Klicken auf den erscheinenden Fingerabdruck (unten links) einsehen und ändern. Ihnen steht jederzeit ein Widerrufsrecht zu. Weitere Informationen finden Sie über unsere Datenschutzerklärung unter Cookies. Durch klicken auf "Alle Akzeptieren" erklären Sie sich einverstanden, dass wir die vorgenannten Cookies zu Marketing- und zu Analyse-Zwecken setzen.

Das Bild zeigt symbolhaft einen Mann mit Migrationshintergrund, der einen Antrag auf Einbürgerung stellt.

Untätigkeitsklage: Warum Behörden lange Wartezeiten bei der Einbürgerung genau begründen müssen

Viele Menschen in Deutschland warten sehr lange auf eine Entscheidung über ihre Einbürgerung. Oft begründen Behörden die langen Wartezeiten mit Personalmangel oder einer hohen Zahl an Anträgen. Ein aktueller Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Schleswig-Holstein zeigt jetzt aber: Solche allgemeinen Begründungen allein reichen nicht aus. Wenn sich ein Verfahren verzögert, muss die Behörde konkret und nachvollziehbar erklären, warum die Bearbeitung im Einzelfall so lange dauert. Doch was bedeutet das genau?
Verfasst von:
Anna Faustmann
Redakteurin
Fachlich geprüft von:
Christin Schneider
Expertin für Ausländerrecht

Teilen:

Der Fall: Einbürgerungsantrag bleibt lange unbearbeitet

Im konkreten Fall hatte ein Mann in Schleswig-Holstein einen Antrag auf Einbürgerung gestellt. Die zuständige Behörde entschied jedoch über eine längere Zeit nicht über den Antrag. Daraufhin erhob er eine Untätigkeitsklage.

Zur Erklärung: Eine Untätigkeitsklage ist ein rechtliches Mittel, mit dem sich Antragsteller gegen zu lange Bearbeitungszeiten wehren können. In der Regel ist eine Untätigkeitsklage möglich, wenn eine Behörde länger als drei Monate ohne ausreichenden Grund nicht über einen Antrag entscheidet. Betroffene können dann vor Gericht beantragen, dass über ihren Antrag entschieden wird.

Zunächst setzte das Verwaltungsgericht das Verfahren des Mannes aus. Der Kläger legte dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) ein – mit Erfolg. Das OVG hob die Aussetzung des Verfahrens wieder auf. Nach Auffassung des Gerichts hatte die Behörde nicht ausreichend darlegen können, warum über den Einbürgerungsantrag noch nicht entschieden worden war.

Unsere Leseempfehlung
einbuergerung ausnahmen symbol
Einbürgerung: Ausnahmen und Erleichterungen

Erfahren Sie alles zu den Ausnahmen und Erleichterungen bei der Einbürgerung: Sprachnachweise, Einbürgerungstest und Aufenthaltsdauer. Hier mehr … ...

Wann dürfen Behörde länger für die Einbürgerung brauchen?

Die rechtliche Grundlage für solche Fälle ist § 75 der Verwaltungsgerichtsordnung. Danach kann eine Untätigkeitsklage erhoben werden, wenn eine Behörde länger als drei Monate nicht über einen Antrag entscheidet – und dafür kein „zureichender Grund“ vorliegt.

Ein solcher Grund kann ausnahmsweise gegeben sein, wenn eine Behörde vorübergehend außergewöhnlich belastet ist und darauf nicht kurzfristig durch organisatorische Maßnahmen reagieren kann.

Wichtig: Diese Gründe dürfen nur vorübergehend bestehen. Wenn Probleme über längere Zeit andauern, reichen sie nicht mehr als Begründung aus. Dann muss die Behörde aktiv etwas dagegen tun – etwa durch zusätzliches Personal oder bessere Abläufe.

Gericht: Behörde muss Verzögerung konkret begründen können

Das OVG macht in seinem Beschluss deutlich, welche Anforderungen in solchen Fällen gelten. Der wichtigste Punkt: Behörden müssen begründen können, warum ein Verfahren im Einzelfall so lange dauert.

Allgemeine Hinweise auf hohe Antragszahlen oder Personalmangel reichen dafür nicht aus. Stattdessen muss die Behörde darlegen, welche Gründe konkret für die langen Wartezeiten verantwortlich sind.

Außerdem gilt: Je länger ein Verfahren dauert, desto besser muss die Behörde die Gründe für die Verzögerung belegen können. Es reicht nicht, mögliche Gründe nur aufzuzählen. Die Behörde muss nachweisen, dass diese Gründe tatsächlich die Hauptursache für die lange Wartezeit sind.

Im Fall des Klägers bemängelte das Gericht, dass wichtige Informationen fehlten oder zu ungenau waren. Zum Beispiel konnte die Behörde nicht nachvollziehbar darlegen:

  • Wie viele Einbürgerungsanträge eingegangen sind und wie viele davon bearbeitet wurden
  • Wie lange die Bearbeitung im Durchschnitt dauert
  • Wie viele Arbeitsstunden pro Woche für die Bearbeitung zur Verfügung stehen
  • Welche organisatorischen Maßnahmen ergriffen wurden, um die Situation zu verbessern und ob diese erfolgreich waren

Viele Angaben waren dem Gericht zu allgemein und nicht konkret genug. Es fehlten nachvollziehbare Zahlen und klare Informationen zur tatsächlichen Bearbeitungssituation. Die Behörde teilte lediglich mit, dass man mit bis zu 24 Monaten Wartezeit rechnen müsse.

Unsere Leseempfehlung
deutscher pass voraussetzungen
Deutscher Pass: Alle Voraussetzungen im Überblick

Sie wollen wissen, wie ein deutscher Pass beantragt wird und welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen? Hier bekommen Sie die Antwort...

Dauerhafte Überlastung ist kein ausreichender Grund

Ein weiterer wichtiger Punkt des Beschlusses: Eine dauerhafte Überlastung der Behörde ist kein ausreichender Grund, um Einbürgerungsverfahren über längere Zeit unbearbeitet zu lassen.

Die Behörde argumentierte, dass die Zahl der Anträge in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei und kurzfristige Lösungen nicht möglich seien. Das Gericht widersprach dem nicht grundsätzlich, stellte aber klar: Wenn eine solche Überlastung über Jahre besteht, muss die Verwaltung reagieren und zum Beispiel zusätzliche Mitarbeiter einstellen oder Abläufe besser organisieren.

Ein solches dauerhaftes Problem darf nicht zu Lasten der Antragsteller fallen. Die Behörde muss aktiv dagegen vorgehen und darf es nicht als Grund für lange Wartezeiten nutzen.

Gericht: Einbürgerung hat besondere Bedeutung

Das OVG betonte außerdem, dass Einbürgerungsverfahren grundsätzlich eine besondere Bedeutung haben. Die Staatsangehörigkeit ist für jeden Menschen von großer Wichtigkeit. Sie hat Auswirkungen auf das tägliche Leben – zum Beispiel beim Wahlrecht, bei der Freizügigkeit innerhalb der EU oder beim Zugang zu bestimmten staatlichen Leistungen.

Das Gericht machte deshalb deutlich: Wer alle Voraussetzungen für die Einbürgerung erfüllt, hat Anspruch auf eine zeitnahe Entscheidung über den Antrag. Behörden dürfen Einbürgerungsanträge nicht zu lange unbearbeitet lassen.

Unsere Leseempfehlung
frau antrag einbuergerung abgelehnt
Einbürgerung abgelehnt: 5 Gründe

Immer wieder werden Einbürgerungsanträge abgelehnt. Der Fehler liegt jedoch nicht immer bei den Antragstellern. Mehr erfahren...

Was bedeutet der Beschluss für Einbürgerungswillige?

Der Beschluss hat große Bedeutung für viele Menschen, die auf ihre Einbürgerung warten.

Er macht deutlich:

  1. Behörden dürfen lange Wartezeiten bei der Einbürgerung nicht mit allgemeinen Hinweisen auf Überlastung, Personalmangel oder hohe Antragszahlen begründen
  2. Behörden müssen lange Wartezeiten genau und nachvollziehbar begründen
  3. Je länger ein Verfahren dauert, desto besser muss die Behörde die Gründe für die Verzögerung belegen können.
  4. Wenn die Probleme über Jahre bestehen, muss die Behörde zeigen, dass sie wirksam etwas dagegen tut
  5. Probleme, die über Jahre bestehen, dürfen nicht zu Lasten von Antragstellern fallen
  6. Antragsteller können unter bestimmten Voraussetzungen rechtlich gegen zu lange Wartezeiten bei der Einbürgerung vorgehen

Für Antragsteller:innen bedeutet das: Wer schon lange auf eine Entscheidung über den Einbürgerungsantrag wartet, kann sich mit einer Untätigkeitsklage gegen eine nicht ausreichend begründete Verzögerung wehren.

Haben Sie noch Fragen?
Gibt es bei Ihnen Schwierigkeiten beim Einbürgerungsprozess und Sie haben noch Verständnisfragen? Kontaktieren Sie uns und unsere juristischen Experten helfen Ihnen gerne bei jeder Frage weiter!
Kostenloser Test

Kostenloser Test

Prüfe deine Voraussetzungen für die Niederlassungserlaubnis und Einbürgerung online.

Online testen
Deutscher Reisepass Symbolbild für Einbürgerungstest
anna-profilbild
Anna Faustmann
Redakteurin
Anna Faustmann ist als Redakteurin bei Migrando tätig. Mit ihrer fundierten Ausbildung und langjährigen Erfahrung im Journalismus und digitalen Marketing bringt sie ein tiefes Verständnis für die Konzeption und Erstellung ...