Asylanträge aus Syrien stark rückläufig
Besonders stark ist der Rückgang bei syrischen Schutzsuchenden: Im ersten Halbjahr 2025 stellten nur noch 14.633 Syrerinnen und Syrer in Deutschland einen Antrag auf Asyl – 2024 waren es im gleichen Zeitraum noch 37.633.
Ausschlaggebend hierfür dürfte die innenpolitische Entwicklung in Syrien sein: Nach dem politischen Umbruch infolge des Sturzes von Machthaber Baschar al-Assad im Dezember 2024 hat sich die Sicherheitslage in mehreren Landesteilen Syriens verändert. Dies eröffnet für viele Geflüchtete zumindest theoretisch neue Optionen.
Auch aus Afghanistan und der Türkei weniger Anträge
Auch aus anderen Herkunftsstaaten ist ein Rückgang der Asylanträge zu verzeichnen: Aus Afghanistan gingen im ersten Halbjahr 11.139 Erstanträge ein – ein Minus von 43 Prozent im Vergleich zu 2024.
Aus der Türkei wurden 6.438 Erstanträge registriert, was einem Rückgang von 59 Prozent entspricht. Damit liegt Afghanistan derzeit vor Syrien an der Spitze der Herkunftsländer von Asylsuchenden in Deutschland.
Im Vergleich zu 2024 sind auch die Zahlen aus anderen Herkunftsländern stark rückläufig:
Verschärfte Migrationspolitik wirkt sich auf Asylzahlen aus
Neben internationalen Entwicklungen wirken sich auch politische Entscheidungen in Deutschland auf die Asylzahlen aus. Bereits ab Herbst 2023 hatte die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser stationäre Grenzkontrollen eingeführt, die im Laufe des Jahres 2024 auf alle Landesgrenzen ausgeweitet wurden.
Seit Mai 2025 ermöglicht ein Erlass des Bundesinnenministers Alexander Dobrindt (CSU) zudem die Zurückweisung von Asylsuchenden direkt an der Grenze – insbesondere bei der Einreise aus sogenannten sicheren Herkunftsländer.
Laut Informationen aus dem Deutschen Bundestag kam es in den ersten vier Monaten 2025 zu knapp 12.500 Zurückweisungen an allen deutschen Grenzen. Ab Mai stieg diese Zahl noch einmal stark an. Wie Die Zeit unter Berufung auf die Polizeibehörde Potsdam berichtet, wurden allein in den zwei Monaten nach Inkrafttreten der neuen Regeln 6.193 Personen an den Grenzen abgewiesen.
Spanien überholt Deutschland bei Asylanträgen
Erstmals seit Jahren hat Deutschland im europäischen Vergleich nicht mehr die höchsten Asylzahlen. Wie verschiedene Medien (darunter Welt am Sonntag) unter Berufung auf einen bislang unveröffentlichten Bericht der EU-Asylagentur (EUAA) berichten, liegt Deutschland mit 61.336 Erstanträgen nur noch auf Platz drei der EU-Mitgliedsstaaten – hinter Spanien (76.020) und Frankreich (75.428).
Aber auch innerhalb der EU sinken die Zahlen der Asylanträge: Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 in der gesamten Europäischen Union (einschließlich Norwegen und der Schweiz) rund 388.299 Asylanträge registriert. Das entspricht einem Rückgang von etwa 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Auffällig ist zudem die Verschiebung der Herkunftsländer: EU-weit kamen die meisten Asylsuchenden im ersten Halbjahr 2025 aus Venezuela (48.413 Anträge), Afghanistan (41.127) und Syrien (23.307). Während Spanien vor allem venezolanische Staatsangehörige aufnimmt, bleibt Deutschland trotz des Rückgangs das bevorzugte Zielland für Schutzsuchende aus Afghanistan und Syrien.
Innenminister Dobrindt: “Zahlen belegen Erfolg”
Die Bundesregierung sieht sich durch die neuen Zahlen in ihrer Asylpolitik bestätigt. Innenminister Dobrindt sprach von einem „deutlichen Erfolg“ und kündigte an, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen zu wollen.
Seit Beginn ihrer Amtszeit verfolgt die Bundesregierung eine deutlich strengere Asyl- und Migrationspolitik. Zu den zentralen Maßnahmen gehören:
- Strenge Grenzkontrollen: Innenminister Dobrindt ordnete Anfang Mai verschärfte Kontrollen an allen deutschen Grenzen an. Zudem können Asylsuchende zurückgewiesen werden, wenn sie über einen sicheren Drittstaat einreisten. Ausnahmen bestehen für vulnerable Gruppen, wie Schwangere und Kinder.
- Aussetzung des Familiennachzugs: Ende Juni verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte für zwei Jahre aussetzt.
- Abschaffung der Turbo-Einbürgerung: Die Einbürgerung nach drei Jahren für besonders gut integrierte Personen soll abgeschafft werden. Der entsprechende Gesetzentwurf wird derzeit im Innenausschuss beraten. Eine Entscheidung wird frühestens im September erwartet.
- Ausweitung sicherer Herkunftsstaaten: Am 10. Juli bringt die Regierung einen Gesetzentwurf in den Bundestag ein, der es künftig ermöglicht, Herkunftsstaaten ohne Zustimmung von Bundestag und Bundesrat als sicher einzustufen. Asylsuchende aus diesen Ländern hätten dann grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf Asyl.
- Eingeschränkter Rechtsschutz: Im selben Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass Asylsuchende in Abschiebungshaft oder Ausreisegewahrsam künftig keinen Anspruch mehr auf einen Rechtsbeistand haben sollen.
- Verschärfungen auf EU-Ebene: Auch auf europäischer Ebene drängt die Bundesregierung auf Reformen. Künftig sollen Schutzsuchende auch in sogenannte sichere Drittstaaten abgeschoben werden können – selbst dann, wenn sie dort keine familiären oder persönlichen Bindungen haben.
