Was misst der Henley Passport Index?
Der Henley Passport Index wird seit 2006 veröffentlicht. Das Ranking zeigt, in wie viele Länder Inhaberinnen und Inhaber eines Reisepasses einreisen dürfen, ohne vorher ein Visum beantragen zu müssen. Je größer diese Zahl, desto „stärker“ gilt der jeweilige Pass im internationalen Vergleich.
Berücksichtigt werden dabei nicht nur vollständig visumfreie Einreisen, sondern auch erleichterte Verfahren wie Visa bei Ankunft oder elektronische Einreisegenehmigungen, etwa eTA oder ESTA.
Insgesamt vergleicht der Index weltweit 199 Pässe und 227 Reiseziele miteinander.
Deutscher Pass 2026: Platz 4 im internationalen Vergleich
Auch 2026 zählt Deutschland wieder zu den Ländern mit der größten Reisefreiheit weltweit. Mit einem deutschen Pass sind derzeit 185 Länder visafrei erreichbar. Zwar sind das vier Länder weniger als im Vorjahr, an der Position in der internationalen Spitzengruppe ändert sich dadurch aber nur minimal etwas.
Im Ranking teilt sich Deutschland den vierten Platz mit mehreren europäischen Staaten, darunter Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, die Niederlande und Norwegen.
Gerade an der Spitze des Rankings sind die Unterschiede sehr gering: Schon wenige visafreie Reiseziele mehr oder weniger können die Platzierung verändern – auch wenn der Pass im Alltag weiterhin als besonders stark gilt.
Asien und Europa an der Spitze des Rankings
Angeführt wird das Ranking 2026 erneut von Singapur. Mit einem singapurischen Reisepass können 192 Länder visafrei besucht werden. Auf dem zweiten Platz folgen Japan und Südkorea mit jeweils 188 visafreien Reisezielen. Den dritten Platz belegen Dänemark, Luxemburg, Spanien, Schweden und die Schweiz mit jeweils 186 Ländern.
Trotz leichter Verschiebungen einzelner Länder bleibt Europa insgesamt sehr stark vertreten. Viele nord- und osteuropäische Staaten liegen weiterhin in den Top Ten. Auf Platz fünf folgen Ungarn, Portugal, die Slowakei, Slowenien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate mit jeweils 184 visafreien Reisezielen. Rang sechs belegen unter anderem Kroatien, Tschechien, Estland, Malta, Polen und Neuseeland mit 183 Ländern.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie gelten als größter Aufsteiger der vergangenen 20 Jahre: Seit 2006 haben sie 149 visafreie Reiseziele hinzugewonnen und sich um 57 Plätze im Ranking nach oben gearbeitet.
USA und Großbritannien sinken im Ranking
Während asiatische Länder zulegen, haben frühere Spitzenreiter an Einfluss verloren. Die USA liegen 2026 nur noch auf Platz zehn. Mit einem US-Reisepass sind aktuell nur noch 179 Länder ohne Visum erreichbar. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 standen die USA an der Spitze des Rankings.
Auch Großbritannien verzeichnete in den vergangenen Jahren einen leichten Rückgang. 2026 konnte sich das Land jedoch leicht erholen und belegt nun Platz sieben mit 182 visafreien Reisezielen.
Warum der deutsche Pass für viele so attraktiv ist
Trotz des leichten Rückgangs im Ranking bleibt die Reisefreiheit mit dem deutschen Pass ein wichtiges Argument für die Einbürgerung in Deutschland. Mit ihm sind Reisen in nahezu alle europäischen Länder sowie in große Teile Amerikas, Asiens und Ozeaniens ohne vorherige Visumbeantragung möglich.
In Staaten wie den USA, Kanada oder dem Vereinigten Königreich ist zwar eine elektronische Einreisegenehmigung erforderlich, ein klassisches Visum muss jedoch in der Regel nicht vorab beantragt werden. Das erleichtert kurzfristige Reisen erheblich und sorgt für mehr Planbarkeit.
Gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte, deren ursprüngliche Staatsangehörigkeit oft nur eingeschränkte Reisefreiheit bietet, bedeutet der deutsche Pass einen deutlichen Zugewinn an Flexibilität, rechtlicher Sicherheit und Selbstbestimmung im Alltag.
Die Top 10 der stärksten Pässe der Welt 2026
Visafreier Zugang zu den meisten Ländern:
- Singapur (192 Länder)
- Japan, Südkorea (188 Länder)
- Dänemark, Luxemburg, Spanien, Schweden, Schweiz (186 Länder)
- Deutschland, Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen (185 Länder)
- Ungarn, Portugal, Slowakei, Slowenien, Vereinigte Arabische Emirate (184 Länder)
- Kroatien, Tschechien, Estland, Malta, Neuseeland, Polen (183 Länder)
- Australien, Lettland, Liechtenstein, Großbritannien (182 Länder)
- Kanada, Island, Litauen (181 Länder)
- Malaysia (180 Länder)
- USA (179 Länder)
Die Top 10 der schwächsten Pässe der Welt 2026
Visafreier Zugang zu den wenigsten Ländern:
- Afghanistan (24 Länder)
- Syrien (26 Länder)
- Irak (29 Länder)
- Pakistan, Jemen (31 Länder)
- Somalia (33 Länder)
- Nepal (35 Länder)
- Bangladesch (37 Länder)
- Nordkorea, Palästina, Eritrea (38 Länder)
- Sri Lanka, Libyen (39 Länder)
- Iran (40 Länder)
Deutscher Pass: Welche Wege führen zur Staatsangehörigkeit?
Der deutsche Pass steht für ein hohes Maß an internationaler Mobilität. Voraussetzung für seinen Erhalt ist der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, regelt das Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG).
Ein Weg zum deutschen Pass ist der Erwerb der Staatsangehörigkeit durch Geburt. Nach § 4 StAG erhalten Kinder automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn mindestens ein Elternteil deutsch ist (Abstammungsprinzip).
Darüber hinaus kann die deutsche Staatsangehörigkeit auch durch Geburt in Deutschland erworben werden, wenn ein Elternteil seit mindestens fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht verfügt (Geburtsortsprinzip).
Auch eine Einbürgerung durch Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft ist möglich. Wer mit einer deutschen Staatsbürgerin oder einem deutschen Staatsbürger verheiratet ist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, kann unter erleichterten Voraussetzungen eingebürgert werden. Nach § 9 StAG sind dafür unter anderem ein rechtmäßiger Aufenthalt von drei Jahren in Deutschland sowie eine mindestens zweijährige bestehende Ehe oder Lebenspartnerschaft erforderlich.
Der einfachste Weg bleibt aber die Einbürgerung nach § 10 StAG. Sie ist in der Regel nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt möglich, wenn der Lebensunterhalt gesichert ist, Deutschkenntnisse auf B1-Niveau vorliegen und keine schwerwiegenden Straftaten entgegenstehen. Zudem müssen die Identität geklärt und eine Loyalitätserklärung abgegeben werden.
Seit 2024 ist in Deutschland außerdem die doppelte Staatsbürgerschaft möglich. Einbürgerungswillige müssen ihre bisherige Staatsangehörigkeit also in vielen Fällen nicht mehr für den deutschen Pass aufgeben – sofern auch das Herkunftsland Mehrstaatigkeit zulässt.
