Offenbar weitere Einschnitte bei Integrationskursen geplant
Wie verschiedene Medien berichten – darunter die Westdeutsche Allgemeine Zeitung –, denkt der Bund über zusätzliche Einschränkungen bei Integrationskursen nach. Diskutiert werden unter anderem Änderungen beim Sprachniveau und beim Aufbau der Kurse.
Ein Punkt, über den beraten wird, ist das Sprachziel. Für leistungsschwächere Teilnehmer könnte das bisherige Ziel von B1 auf A2 reduziert werden. Anbieter von Integrationskursen waren jedoch, dass sich dadurch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern könnten. Denn für viele Berufe werden Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 erwartet.
Darüber hinaus sollen weitere Änderungen im Raum stehen. So ist von digitalen Selbstlernphasen die Rede – also Zeiten, in denen Teilnehmer ohne Lehrer eigenständig online lernen sollen. Auch könnten die Unterrichtsstunden von Alphabetisierungskursen gekürzt werden, berichtet die WAZ.
Zudem wird der Abschlusstest „Leben in Deutschland“ infrage gestellt. Mit diesem Test stellen Teilnehmer ihr Wissen über Gesellschaft, Politik und Werte in Deutschland unter Beweis. Ein bestandener Integrationstest kann später wichtig sein, zum Beispiel für eine Niederlassungserlaubnis oder eine Einbürgerung.
Kritiker sehen in diesen Vorschlägen eine Schwächung des bestehenden Systems. Besonders der Orientierungskurs, in dem Zugewanderte das gesellschaftliche und rechtliche System in Deutschland kennenlernen, könnte eingeschränkt werden.
Einschränkungen bisher nicht offiziell bestätigt
Wie verschiedene Medien berichten, werden diese Maßnahmen aktuell von einer Kommission beraten, die die Integrationskurse überprüft. Offiziell beschlossen oder bestätigt sind die Maßnahmen aber nicht.
Das bedeutet: Der Bund prüft offenbar weitere Änderungen bei Integrationskursen. Ob und in welcher Form sie tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit aber noch unklar.
Rückblick: Keine freiwilligen Integrationskurse in 2026
Bereits zu Beginn des Jahres hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestätigt, dass im Jahr 2026 vorerst keine freiwilligen Teilnahmen an Integrationskursen genehmigt werden.
Von der Maßnahme sind Zugewanderte betroffen, die keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Kurs haben. Dazu gehören:
- Asylbewerberinnen und Asylbewerber im laufenden Verfahren
- Personen mit einer Duldung
- Geflüchtete aus der Ukraine mit vorübergehenden Schutz (§ 24 AufenthG)
- Personen mit einer humanitären Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 5 AufenthG
- EU-Bürgerinnen und EU-Bürger
Diese Gruppen konnten bisher oft freiwillig an Kursen teilnehmen, wenn Plätze frei waren. Das ist aktuell nicht möglich, da entsprechende Anträge nicht mehr bewilligt werden. Eine Teilnahme ist nur noch möglich, wenn eine Behörde dazu verpflichtet oder wenn der Kurs selbst bezahlt wird.
Als Hauptgrund für die Einschränkungen nennt der Bund Sparmaßnahmen. Die Zahl der Teilnehmenden an den freiwilligen Kursen ist in den letzten Jahren stark gestiegen, ebenso die Kosten. Mit der Maßnahme sollen die vorhandenen Mittel besser gesteuert werden.
Wichtig ist: Personen mit einem gesetzlichen Anspruch auf Integrationskurse sind von der Maßnahme nicht betroffen. Dazu gehören anerkannte Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte sowie Personen mit Aufenthaltstiteln zur Erwerbstätigkeit. Für diese Gruppen sind Integrationskurse auch weiterhin möglich.
Immer mehr Politiker kritisieren Einschränkungen bei Integration
Gegen die geplanten und bereits umgesetzten Einschränkungen wird mehr und mehr Widerstand laut. Besonders deutlich äußerten sich die Integrationsminister:innen der Bundesländer bei einer Konferenz vor wenigen Tagen.
Sie fordern von der Bundesregierung, dass die Beschränkungen für Sprach- und Integrationskurse aufgehoben und eine verlässliche Finanzierung sichergestellt wird. Sprache sei der Schlüssel für Integration, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe, so die Minister der Bundesländer.
Auch Organisationen und Verbände warnen vor den Folgen. Sie argumentieren, dass Einsparungen bei Integrationskursen langfristig höhere Kosten verursachen – etwa durch geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Gute Sprachkenntnisse seien entscheidend, damit Zugewanderte arbeiten und sich selbst versorgen können.
Zudem wächst der öffentliche Druck: Eine Petition gegen die Kürzungen bei Sprach- und Integrationskursen wurde bereits von mehr als 140.000 Menschen unterschrieben.
Wie sich die Situation weiter entwickelt und ob es weitere Einschränkungen geben wird, ist derzeit noch offen. Klar ist aber: Die Debatte über die Zukunft der Integrationskurse wird Deutschland in den kommenden Wochen und Monaten weiter begleiten.