Mitarbeiter treten aus Protest geschlossen zurück
In einer Videobotschaft an die afghanische Gemeinschaft in Deutschland betonte der amtierende Generalkonsul Hamid Nangialay Kabiri, das Konsulat habe in den vergangenen Jahren nicht nur Afghan:innen hierzulande betreut, sondern auch diplomatische Missionen in Europa, Nordamerika und Australien unterstützt.
Auch nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 habe man die Unabhängigkeit gewahrt. Sensible Daten afghanischer Staatsangehöriger seien geschützt und niemals an die neue Taliban-Regierung übergeben worden, so Kabiri.
Die Entscheidung der Bundesregierung, Taliban-Vertreter in die Arbeit des Konsulats einzubinden, bezeichnete Kabiri als „inakzeptabel“ und als „ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit sensibler Daten und Dokumente“.
Deshalb habe die gesamte Belegschaft – von der Leitung bis zu den Mitarbeitenden – geschlossen ihren Dienst niedergelegt. Sämtliche Unterlagen und Vermögenswerte sollen nun an das Auswärtige Amt übergeben werden, um deren sichere Verwahrung zu gewährleisten.
Bundesregierung plant Gespräche mit Regierung in Kabul
Das afghanische Konsulat in Bonn war bislang mit Diplomaten besetzt, die noch vor dem Fall Kabuls an ihre Posten gekommen waren. Sie repräsentierten damit die frühere afghanische Regierung, die seit der Machtübernahme der Taliban 2021 nicht mehr im Amt ist. Formal werden sie von der Taliban-Regierung in Kabul nicht länger anerkannt, setzten ihre Arbeit in Deutschland aber dennoch fort.
Die deutsche Bundesregierung selbst hatte bis zuletzt keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu den Taliban. Allerdings kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zuletzt an, Abschiebung nach Afghanistan häufiger durchführen zu wollen.
Um dies umzusetzen, plant das Bundesinnenministerium erstmals direkte Gespräche mit der Taliban-Regierung in Afghanistan zu führen. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte kürzlich gegenüber der Bild-Zeitung, dass Vertreter des Ministeriums noch im Oktober zu Gesprächen nach Kabul reisen werden.
Alternative Anlaufstellen für Pässe und andere Dokumente
Mit der Schließung des Generalkonsulats in Bonn fallen alle Dienstleistungen vor Ort weg. Für afghanische Staatsangehörige in Deutschland besteht jedoch weiterhin die Möglichkeit, Pässe im Konsulat in München zu beantragen. Andere Dokumente wie Geburtsurkunden oder Identitätsbescheinigungen können über die Botschaft in Berlin ausgestellt werden.