Viele Syrer arbeiten inzwischen in wichtigen Branchen
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit ist die Integration syrischer Geflüchteter in den Arbeitsmarkt insgesamt gelungen. BA-Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles sagte dazu gegenüber dem Spiegel: “Wir finden eigentlich aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit, dass sich die syrischen Geflüchteten gut in den Arbeitsmarkt integriert haben.”
Viele Syrerinnen und Syrer arbeiten demnach heute im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel oder in der Logistik – und damit in Bereichen, in denen in Deutschland schon seit längerem Personal fehlt.
Dabei übernehmen sie nicht nur einfache Tätigkeiten. Etwa die Hälfte arbeitet als Fachkraft. Viele sind außerdem in sogenannten Engpassberufen beschäftigt. Nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft waren im August 2025 rund 80.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Syrerinnen und Syrer in solchen Berufen tätig.
Für in Deutschland geborene Kinder syrischer Eltern ist die Vorlage eines syrischen Nationalpasses nicht erforderlich. Es genügt der Auszug aus dem Familienstandsregister, um die Identität und Staatsangehörigkeit des Kindes nachzuweisen....
Je länger der Aufenthalt, desto erfolgreicher im Arbeitsmarkt
Dass die Beschäftigungsquote insgesamt bei nur 47 Prozent liegt und damit unter der von deutschen Staatsangehörigen (Beschäftigungsquote: 71 Prozent), hat laut Studie vor allem einen Grund: Viele Syrerinnen und Syrer leben noch nicht lange genug in Deutschland, um bereits vollständig im Arbeitsmarkt angekommen zu sein.
Schaut man genauer auf Menschen, die schon sieben Jahre oder länger in Deutschland leben, zeigt sich ein anderes Bild. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt die Beschäftigungsquote in dieser Gruppe bei rund 61 Prozent.
Auch die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass der Durchschnittswert von 47 Prozent die tatsächliche Entwicklung etwas verzerrt. Denn darin sind auch viele Menschen enthalten, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland sind.
Dass die Zahl der Beschäftigten mit der Dauer des Aufenthalts steigt, zeigt auch die Studie der BA: Analysiert wurde eine Gruppe von rund 213.000 syrischen Staatsangehörigen, die 2016 erstmals Sozialleistungen erhalten haben. Im Juni 2017 hatten davon nur etwa 20.000 eine Arbeit. Bis Ende 2024 stieg diese Zahl auf rund 111.000.
Auch die Art der Beschäftigung hat sich verändert. Im Dezember 2024 waren von den 111.000 Beschäftigten aus der untersuchten Gruppe gut 99.000 sozialversicherungspflichtig angestellt – sie zahlten also Beiträge in die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung.
Die Studie kommt daher zu dem Ergebnis: Integration in den Arbeitsmarkt passiert nicht sofort, sondern Schritt für Schritt.
Syrerinnen kommen oft später in Arbeit
Der Bericht zeigt aber auch deutliche Unterschiede zwischen syrischen Männern und Frauen. Während syrische Männer vergleichsweise schnell in Beschäftigung kommen und eine Quote von rund 62 Prozent erreichen, liegt der Wert bei berufstätigen Syrerinnen bei nur etwa 22 Prozent.
Zwar steigt auch ihre Beschäftigung, aber deutlich langsamer. Die Bundesagentur für Arbeit führt das unter anderem darauf zurück, dass Syrerinnen häufiger Aufgaben im familiären Umfeld übernehmen – etwa die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen.
Studie bildet aber nicht alle Syrer:innen ab
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung zeigen die Zahlen nicht die gesamte Situation von Syrerinnen und Syrern in Deutschland. Die Studie betrachtet nur eine bestimmte Gruppe: Menschen aus Syrien, die im Jahr 2016 erstmals Sozialleistungen erhalten haben.
Wer damals direkt eine Arbeit gefunden hat und keine Leistungen brauchte, wird in der Auswertung nicht erfasst. Auch Selbstständige oder mithelfende Familienangehörige tauchen in den Zahlen nur teilweise auf.
Hinzu kommt, dass inzwischen viele Syrerinnen und Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Sie werden in den Statistiken nicht mehr als syrische Beschäftigte gezählt. Die Ergebnisse zeigen also einen positiven Trend – lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf alle rund 950.000 Syrerinnen und Syrer in Deutschland übertragen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Alter: Im Durchschnitt sind Syrerinnen und Syrer in Deutschland sehr jung. Rund ein Drittel ist minderjährig. Das bedeutet, dass viele noch zur Schule gehen oder sich in Ausbildung befinden und dem Arbeitsmarkt noch gar nicht zur Verfügung stehen.